17. Januar 2015

Auf Erinnerungs-Reise mit November Me

Das 'Give Me A Stage' Zettel-Interview mit November Me
Hinter November Me steckt Sebastian Krichler. Foto: Johannes Fichtner
Wenn er Menschen für fünf Minuten mit auf eine Reise nimmt - das ist für Sebastian einer der schönsten Momente auf der Bühne. Es gelingt ihm tatsächlich! Sebastian Krichler tritt unter dem Namen November Me als Singer-Songwriter auf. Weil es mir selten gelingt, einfach mal abzuschalten, bin ich ihm sehr dankbar, dass er auch mich bei einem seiner Konzerte mit auf die Reise mitgenommen hat...


Seine Zuhörer mitreisen zu lassen, das macht Sebastian auf eine besondere Art: Ich finde, er redet auf der Bühne ungewöhnlich offen darüber, warum er einen Song geschrieben hat. Meistens sind das Dinge, die jeder Hörer nachvollziehen kann oder selbst kennt. Wenn dann die ersten Akkorde eines November Me-Songs erklingen, ist man beim Lauschen schnell dabei, in seine eigenen Erinnerungen und Phantasien abzutauchen.

Weil Sebastian auf der Bühne so gerne über seine Erinnerungen redet, wollte ich genau das zum Thema meines Interviews mit ihm machen. Ich habe Erinnerungen auf ein paar Zettel geschrieben (z.B. "Mein erstes Konzert") und die Zettel an eine Wand gepinnt. Er konnte dann selbst entscheiden, welchen Zettel er abnimmt, um darüber zu reden. Dies ist also das erste 'Give Me A Stage' Zettel-Interview und zugleich mein erstes Video-Interview. Viel Spaß!


Das Video ist zusammen mit Martin Erdmann und Johannes Fichtner von der Freispiel AG entstanden. Vielen Dank an euch beide für die Arbeit und die Unterstützung!


Hier ist das komplette Interview mit November Me für dich zum Nachlesen:


Deshalb habe ich angefangen Musik zu machen:
Sebastian: Eigentlich habe ich mit einer ganz anderen Musik angefangen. Ich habe nämlich mal gerappt. Da war ich 14 oder noch jünger. Das ist der Grundstein zum Musik machen. Ohne das Rappen, ohne dass ich damals ein Mikrofon in die Hand genommen hätte, hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, mich auf eine Bühne zu stellen. So bin ich auch zur Poesie gekommen. Denn gerappte Musik beinhaltet ja Gereimtes. So ist in mir das Interesse entflammt, Worte aneinanderzureihen. Aber das hatte noch nichts mit der Musik zu tun, die ich heute mache. Irgendwann hab ich einen Song geschrieben. Viel hat mit Eric Clapton angefangen. In den ersten Monaten in denen ich eine Gitarre hatte, hatte ich dieses Clapton Songbook bekommen. Irgendetwas hat mich gerissen das alles können zu wollen. Ich dachte damals auch noch ich werde ein großartiger Gitarrist. Das ist leider nicht passiert. Ich habe festgestellt, das Singen ist mehr meins. Ich konnte diese Buch irgendwann halb auswendig, aber nicht gut. Doch es ist in dieser Zeit das Bedürfnis entstanden, vielleicht auch selber so etwas schreiben zu können.

November Me beim Give Me A Stage-Interview. Foto: Johannes Fichtner
November Me beim Give Me A Stage-Interview. Foto: Johannes Fichtner
Meine Begegnung mit einem Fuchs:
Der Fuchs ist ja das November Me-Wappentier. Überhaupt sind meine Songs voller Tiere. Irgendwie schreibe ich mir da so einen Zoo zusammen. Tatsächlich habe ich meinen ersten Fuchs in Berlin gesehen. Das war irgendwo an der M2 oder an der M4 Linie. Da stand er auf den Schienen. Ich war vollkommen gebannt, dass so ein wildes Tier einfach in der Stadt steht und ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass diese Stadt voller Füchse ist. Das war in dem Moment sehr magisch, weil das ist ein wildes Tier, nicht zähmbares Tier. Auch wenn es Leute gibt, die sich Füchse zuhause halten, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Ich glaube nicht, dass das der Moment war, in dem ich Füchse lieben gelernt habe, aber da war einfach klar, dass das mein Tier ist. Der Fuchs ist elegant, er ist witzig. Er sieht zumindest so aus. Er ist gut gekleidet. Er sieht humorvoll aus. Er sieht schlau aus. Er vereint das alles und ich habe darüber nachgedacht, was das alles mit meiner Musik zu tun hat? Ich finde jetzt nicht, dass meine Musik elegant oder gut gekleidet ist. Aber das ganze Auftreten des Fuches ist etwas, das ich wahnsinnig gut auf mich übertragen kann. Natürlich ist er sehr flauschig und man möchte ihn als Kumpel haben. Aber das allein ist es nicht. Ich habe das Gefühl er könnte ein guter Freund sein. Das klingt irgendwie esoterisch, aber: Er zeigt mit einen guten Weg.

November Me-Visitenkarten. Foto: Johannes Fichtner
November Me-Visitenkarten. Foto: Johannes Fichtner

Mein erster Auftritt:
Das war in so einer Dorfkneipe. Ich hab in einer Coverband gespielt. Das war tatsächlich Metallica, was wir gespielt haben und es konnte nur "Nothing else matters" sein. Ich hab mich damals nicht getraut, auf der Bühne zu stehen. Ich war der Gitarrist, ich habe nicht gesungen. Ich saß auf einem Hocker und bin da auch nicht weggekommen. Ich hatte das Muffensausen meines Lebens. Der Auftritt war so ganz mittel, aber ich war tierisch stolz, das geschafft zu haben. Danach wollte ich gleich wieder spielen, aber das hat dann etwas länger gedauert.

Mein schönstes Bühnenerlebnis:
Ich würde nicht sagen es gibt DAS schönste, eine Erlebnis. Es ist immer wunderschön, wenn man merkt, dass Leute ihre Lippen mitbewegen. Weil in dem Moment ganz viel passiert, weil man quasi gemeinsam singt. Das ist wirklich magisch. Man merkt auch, ob der Applaus von Herzen kommt oder ob er aus Höflichkeit kommt. Diese Momente, wenn du merkst, dass du den Hörer kurz, für 4-5 Minuten auf eine Reise mitgenommen hast, die gehören sicher zu dem Schönsten, was es auf der Bühne gibt.

Mein Versuch, mit einem Song eine Frau zu gewinnen:
(Lacht beim Anblick des Zettels) Wenn man versucht, diese Frage ernsthaft zu beantworten, kommt man ganz schnell dahin, dass es bei vielen Musikern so angefangen hat. Dahin, dass man überhaupt aus diesem Grund angefangen hat Musik zu machen. Ich habe aber tatsächlich eher immer verarbeitet, dass irgendetwas mit einer Frau vorbei war. Aber natürlich, wenn man ein Interesse am weiblichen Geschlecht hat, dann... jetzt werde ich mich gleich auf dünnes Eis begeben... (überlegt) Man macht Musik immer auch für die Frauen!

Sebastian (November Me) vor der Zettel-Wand im Give Me A Stage-Interview. Foto: Johannes Fichtner
Sebastian (November Me) vor der Zettel-Wand im Give Me A Stage-Interview. Foto: Johannes Fichtner
Deshalb habe ich meinen traurigsten Song geschrieben:
Die traurigen Songs, die entstehen aus dieser Wehmut heraus, die mich überhaupt antreibt, Musik zu machen. Man betrauert eine Beziehung, die nicht mehr da ist. Man betrauert die Vergangenheit, die nicht mehr da ist. Wie alte Leute, die mit 80 Jahren am Fenster sitzen und sagen: "Früher hatte das Café da unten einen anderen Namen." Das ist auch eine Art von Wehmut, die einen ständig begleitet. Veränderung ist super schwierig. Ich kann mit Veränderung zum Teil überhaupt nicht umgehen. Ich liebe es, wenn Dinge bleiben. Wenn Freundschaften bleiben. Ich liebe es, wenn man Konstanten im Leben hat. Ich glaube das ist etwas, das sich sehr in meiner Musik wiederspiegelt. Ich spreche ganz viel darüber, warum sich Dinge verändern, wie sie sich verändern und wie ich mit der Veränderung lebe.

Meine Insel-Erinnerung:
Ich sehe mein Leben manchmal als eine Insel. Ich sehe mich oft als eine Insel in diesem Leben. Ich sehe manchmal meine Mitmenschen als Inseln. Manchmal wäre ich gerne auf einer, bin aber auf keiner, sondern bin auf dem offenen Meer. Es ist eine konstante Suche nach Inseln bei mir. Das kann ich nicht allzu konkret benennen. Es ist ein Gefühl, das mich einfach begleitet. Deswegen nenne ich meine Musik auch Inselmusik. Ich kann meine Musik nicht so einfach beschreiben und dann sage ich eben: Das ist Inselmusik. Und das reicht dann.

Vielen Dank Sebastian, für das Interview!

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